Weisse Flecken dieser Welt

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Dieses Projekt ist mir buchstäblich vor das Haus gefallen. Eine Ausforstung der Holzkorporation hat mich auf die Idee gebracht den Zwischenraum, die Leere, die zwischen Ende und Neuanfang entsteht, sichtbar zu machen. Ich liess 66 Baumstrünke schräg abschneiden und bemalte deren Schnittstellen weiss.

Die Wahrnehmung des Waldes veränderte sich auf poetische, surreale Art, ein neues Raumgefühl entstand. Ein neues Baumgefühl entstand. Die Riesenportraits lächeln mir freundlich zu, erfreuen mich bei Tag und Nacht.

Mit den Jahreszeiten verändert sich auch das Projekt. Ein spannender Prozess, den ich weiterhin mit Fotos, Film und Zeichnungen beobachte und dokumentiere.

Da mir diese Arbeit zugefallen ist, wollte ich nicht, dass sie nur bei mir liegen bleibt. Also motivierte ich einige Leute, mir einen Text über ihre Gedanken zu den weissen Flecken zu schreiben. Hocherfreut und dankbar über so viel Echo, möchte ich diese Texte hier veröffentlichen (Feedback).

Einen ganz speziellen Dank an dieser Stelle auch an die Holzkorporation, ohne sie wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen.

Texte zur Ausstellung

Regula Zellweger, Journalistin :  Landart unterwegs in die Stadt
Dr. Lothar A. Blum, Kunstkritiker :  Weisse Flecken dieser Welt
Regula Zellweger, Journalistin :  Artikel im Anzeiger des Bezirks Affoltern
Helen Arnet, Journalistin :  Artikel im Tages Anzeiger, Zürich



Bilder

EIN GEHEIM GEHALTENES ZIEL
BLIEB PLÖTZLICH
ZWISCHEN DEN BÄUMEN STEHEN
ATEMLOS
SIE MUSSTE IHM
NICHT MEHR
PAUSENLOS FOLGEN





Feedback

Mir ist die Bedeutung der Installation vor allem aus der Ferne des Bonstetter Bahnhofs bewusst geworden. Von dort springt einem das bearbeitete Waldstück dank der weissen Flecken sofort ins Auge und man erkennt, dass dieser Boden sich gerade in einem Umbruch befindet. Ich kann mir gut vorstellen, dass der eine oder andere Pendler so schon zum denken angeregt wurde.

Student 19





was über jahre gewachsen war wurde gestutzt zu tellerförmigen baumstrünken. schnittstellen einer veränderung im wald, verursacht durch menschenhand, durch motorsägen und einer künstlerischen eingebung. es sind übergänge von dem, was war -und dem was der mensch in seiner machbarkeit erzwingt oder erreicht. - dem machbaren aber ein schnippchen zu schlagen durch eine künstlerische antwort, durch einen kreativen protest, geriet zu einem unerwarteten, irritierenden sehen. eine höchst sensible und ebenso aufwendige trauerarbeit entstand durch das innere sehen einer künstlerin. entstanden ist ein anregendes, neues waldbild. ein waldbild eingebettet im realen ablauf von tag und nacht im wechsel von sonne und mond.

Schauspieler/ Fotograf 77



ein neuer liebling ist da: weiße flecken!!!

die bildkomposition, das paradoxe und der text vereinen sich zu herrlicher dichte!! die weißen flecken in kombination mit dem grün = herrliche farbzusammenstellung. es ist nicht abstrakt, und doch hat das ganze etwas überhöhtes. den text interpretiere ich nicht, da er - zwar sehr schön formuliert - doch eindeutig ist. du musst mir einmal erzählen, was die nicht farblosen zustände für inhalte haben

Dr. Psychologie 50




Durch die scheinbare - diesem Medium innewohnende - Realität der Fotos konfrontiert mit absoluter Erlebenssubjektivität der Texte, tut sich für den Betrachter ein wunderbarer Zwischenraum auf. Hier gilt es als 'Teilnehmender' aktiv zu werden, den offerierten Freiraum zur Projektion nützen und damit nicht nur Carmen Caberts Werken etwas näher zu kommen, sondern auch - eine zeitweise nagende Ehrlichkeit gegenüber sich selbst vorausgesetzt. Teilen unseres eigenen,oft nur semibewußten Ego.


Dr.Psychologie 50




geköpfte Bäume
geschnitten

bis unter die Knie
weisses Blut

voller Unschuld
ein Deckel
obendrauf
der die Schreie erstickt
himmelschreiend

Allrounderin 52




Schwarze Löcher im All

Sehnsüchte gerichtet in die Uferlosigkeit

Fenster in die Verlorenheit

Das Schwarze so weit – entrückt jeder Berührung

Weisse Flecken dieser Welt -

Erinnerungen an Vergänglichkeit

Hoffnungsschimmer der Unvergesslichkeit

Das Weisse so nah –

wartend auf Begegnung


Flightattendant 52




Bedrohlich leuchten die weissen, monströsen Flecken im Wald. Es ist als ob noch das Echo der Killer-Säge widerhallt.

Hausfrau 62




Erst dachte ich es ist eine Markierung von den Förstern. Dann sah ich Tiere, Figuren verschiedenste Sachen in Form von weissen Flecken. Ich komme richtig in Fahrt, fühle mich wie in einem Märchenwald. Die Idee dieses Projektes finde ich super, es ist zu jeder Tages-, und Nachtzeit, mit oder ohne Sonne eine Verwandlung da, ein Zauberwald.


Wirtin 54




Der Wald ist nicht Zuflucht und Heimat des Menschen.
Er ist uns aber auch nicht abgeneigt. Er lädt uns ein:
Geniesse die Ruhe, erfreue dich der Wunder der Natur.
Natur ist nicht Kunst. Sie bietet jedoch auf
natürliche Weise kunstvolle Einblicke:
Das Farbenspiel im Herbst, das Bizarre alter Stämme,
der Stangenwald junger Bäume, die Spiegelbilder im Bach.
Subtil eingebracht lässt sich das ungewollte Kunstangebot
des Waldes weiterentwickeln. Wie Pilze, die man nur mit
geschärftem Blick erkennt, grüssen die geweissten Strünke.
Dann sind es bald einmal nicht mehr uniforme Pilzhüte, sondern
genial einmalige Flächen, die man gerne für einen Augenblick
versammelt hätte. Soweit lässt er es nicht kommen. Bewege dich,
dir sind ja keine Wurzeln gewachsen!


Informatiker 58




die bild/textkombinationen erzeugen bei mir ein erleben, das mit wandern vergleichbar ist. dort weiß ich von der bergspitze, der ungefährroute'- weiß, ob ich einen fluss queren werde oder nicht. schnell habe ich den bildinhalt identifiziert. schnell den text gelesen. aber weiß ich von dem reh, das ich in der lichtung sehe? weiß ich von der verschnaufpause, die ich zwangsweise einlegen muss? -- nein -- genauso ergeht es mir, wenn ich mich auf eine gewisse verweildauer bei bild und text einlasse. das persönliche, das unvorhersehbare kommt näher.


Fischer/ Künstler 50




What are those white spots? Are they frost that has stayed frozen on the top of the tree stumps? How is that possible? It doesn’t seem cold enough for that to happen. The limbs of the trees are not covered in frost, however it is foggy, so I guess it would be possible that the air would freeze on the tree stumps which are lower to the ground. I think I will have to take a closer look. From here it almost looks like an installation. Wait a minute……….. This must be Carmen`s art piece! How cool is that???!!!!!!! I think she should call it permafrost!

These were my first thoughts when I saw the new forest installation piece from Carmen Cabert.

Künstlerin 49




Hallo Carmen

Ich habe heute bei schönstem Wetter Deine "Weissen Flecken dieser Welt" besucht, habe aber weder vorher noch nachher die Kurzbeschreibung gelesen um nicht beeinflusst zu werden.

Du wolltest meine Eindrücke

Ich war zuerst einmal überrascht von der Idee und dann auch darüber, für wie viele weisse Flecken es in einem kleinen Waldstücke Platz hat. Sind doch weisse Flecken eher selten und zum Beispiel geographisch auf der Weltkarte kaum mehr vorhanden.

Dann habe ich mir überlegt, dass Deine "Weissen Flecken dieser Welt" wohl kaum dazu da sind, um von Forschern entdeckt zu werden und als Folge davon zu verschwinden.

Da ich somit mit dieser Interpretation nicht weiter gekommen bin, habe ich mich zu einer sehr konkreten Assoziation Deiner "Weissen Flecken dieser Welt" mit der Realität auf dieser Welt hinreissen lassen:

Schwarze Flecken bis zu grossen schwarzen Flächen gibt es auf unserer mehrheitlich doch sehr schönen Welt sehr wohl, wie wenn Schönheit und Freude ein Gegenstück haben müssten. Dabei dachte ich unwillkürlich an die sinnbildlich schwarzen Flecken und Flächen dieser Welt, zum Beispiel in den Slums von Delhi, mit deren "Erhellung" ich mich mit guten Freunden befasse. Deine "Weissen Flecken dieser Welt" haben mich an den am Anfang punktuellen Einsatz in diesen Gebieten erinnert, der zuerst auch wie weisse Flecken im Dunkel wirkte, der sich aber immer mehr zu einer, wenn auch noch relativ kleinen, weissen Fläche ausweitet.

Daran habe ich denken müssen, als ich Dein Kunstwerk besuchte. Ich hoffe, dass sich auch Deine Idee der "Weissen Flecken dieser Welt" symbolisch zu „Weissen Flächen dieser Welt“ ausdehnen wird.

Ich möchte Dir für die Idee gratulieren und danken und wünsche Dir weiterhin viel Erfolg in Deiner künstlerischen Laufbahn.

Organisator 72




Gedanken:

Ein Mahnmal? Ein Friedhof? Jungfräulich. Es strahlt Ruhe, Kraft und Beständigkeit aus

Nächster Gedanke

Was für ein Mensch steht dahinter?

Was treibt ihn an?

Was sind seine Gedanken?

Was fühlt er während er das tut?


Winzerin 53




Hier meine (kurzen) Gedanken zu deinen weissen Flecken.

Ein Teil des Waldes wird gerodet, Bäume gefällt. Zurück bleiben die Wurzelstöcke, ein normales Bild wie man es täglich in unseren Wäldern antrifft. Nicht so am Hirschenbach. Da werden die letzten Zeugen eines Baumes mit weisser Farbe übertüncht, es entstehen weisse Flecken, wie überdimensionierte Pilze. Einige bilden einen natürlichen Kranz, andere stehen in Gruppen herum am Rande einige Einzelgänger.

Vor Jahren wurden im Baselbiet Bäume eingepackt, "Wrapped Trees" hat die Wahrnehmung eines Baumes verändert."Plastered Stump" erweckt den letzten Zeugen eines Baumes zu neuem Leben. Die Natur erscheint in einem anderen Licht, die Wahrnehmung eines Waldes ist eine andere.

Eine grossartige Idee - von einer aussergewöhnlichen Frau.


Informatiker 59




Gestern war der Wald einfach da. Heute schaut er mir zu.

Informatiker 53




Weggeschmolzen sind die weissen Flecken die die Erde bedeckten.
Andere sind geblieben, wo morgen erstes Grün meine Augen neue Farben lehrt

Textilkünstlerin 55


Weisse Flecken dieser Welt

Arbeit von Carmen Steiner, in einem von Holzfällern durchforsteten Wald.

Aus der Ferne betrachte ich den Wald beim Hirschenbach. Irgendetwas ist mit diesem Wald geschehen.

Zwischen den Baumstämmen strahlen mir weiss leuchtende Flecken entgegen, eingebettet in das ruhende Braun des Waldbodens. Gespannt nähere ich mich. Nun sehe ich was geschehen ist.

Holzfäller haben da eine Baumfällaktion durchgeführt

Nun hat die Künstlerin Carmen Cabert, die schrägen Schnittstellen der Baumstrünke mit umweltfreundlicher, weisser Farbe bemalt.

Mein erster Gedanke: will Carmen damit gegen die Holzfäller protestieren? Ist sie traurig über die gefällten Bäume? Ich lasse die sonderbare Stimmung auf mich einwirken und komme zur Überzeugung, nein das kann es nicht sein!

Der Wald ist frei geworden, von hellem Licht durchflutet. Das kleine plätschernde Bächlein wird sichtbar. Es kann sich neues Leben entfalten. Und in dieser veränderten Welt haben auch die alten ehrwürdigen Baumstrünke ihren verdienten Platz. Durch Carmen so schön sichtbar gemacht.

Wie mit diesem Wald, ist es ja auch im Leben. Alles verändert sich. altes vergeht und Neues entsteht. Und doch bleiben alte Werte bestehen und beeinflussen dauernd das neue Leben.


Buchdrucker 73




SPUREN IM WALD

Die Bäume werden gefällt.

Die einstigen Riesen

fallen zu Boden

gnadenlos.

Ihre Strünke

sind

wie

verlassene Kinder

vom Leben

abgeschnitten.

Eine Frau

weint über sie

und segnet

sie mit weisser Farbe.

Leichentücher,

Brautschleier?

Ihre Schnittwunden

widerspiegeln

das Lachen der Sonne,

das Lächeln des Mondes.

In der Nacht

sind sie

Zeichen

der Hoffnung.

Craniosacral Therapeutin 74




Leuchtende Flecken
stechen
in die Nacht Schatten
Im Vollmond rund
an den Rändern scheinen
Rätsel auf.

Körperpsychotherapeutin 43




Du möchtest ja gerne wissen, was die weissen Flecken, die von weitem einem entgegen leuchten, für Assoziationen auslösen. Es ist gar nicht so einfach. Also zuerst dachte ich an die Blinden Attribute. " Sind wir blind oder seid ihr blind?", ich dachte auch an Fliegenpilze: "Hilfe! wo sind unsere Hüte? Das könnt ihr uns doch nicht antun! So was von schamlos." Wenn ich dann an Ort noch näher dran bin, kommt mir vielleicht noch mehr in den Sinn.

Krankenschwester 58




Weisse Flächen auf dieser Welt,

weisse Flächen auf gestutzten Bäumen,

ein Lächeln auf den Lippen bei zurück gestutzten Herzen

Beides vermag Freude bereiten,

wenn auch nur für kurze Augenblicke.

Der Schnee verbirgt die weissen Flächen,

und der Frühling bringt sie wieder ans Tageslicht.

Unternehmensberater  62




Die Arbeit im Wald hat einen tiefen Eindruck in mir hinterlassen.

Ich gratuliere dir.

Kunstkritiker 63




Getüncht in Weiss

Gedankenblitze-
Waldpracht.
Für die Natur:
unsere (Ohn)Macht.
dabei vielleicht-
der Mensch erwacht.

Getropft,
menschlich-
ZumInAuf:
den Wald.

Baumstille.

Nana Pernod